Nachhaltigkeit: So einfach ist eine nachhaltige Lebensweise

Hört man den Begriff Nachhaltigkeit, dann denken viele von uns an Naturschutz. Doch immer häufiger scheint man nun über den Begriff zu stolpern: Nachhaltigkeit im Büro, Nachhaltigkeit beim Transport, beim Reisen, beim Zubereiten des Pausenbrotes für den eigenen Nachwuchs, bei der Wahl der Kleidung und selbst bei der Lieblingsschokolade. Der Begriff schleicht sich in alle Bereiche und macht sich mehr und mehr in unserem Leben bekannt. Doch was steckt dahinter? Ist Nachhaltigkeit tatsächlich auf so viele Bereiche anwendbar, wie es scheint, was haben wir davon und wie bauen wir es am besten und einfachsten in unseren Alltag ein?

Was bedeutet Nachhaltigkeit?

Das Konzept der Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf den Umweltschutz, wenngleich wir den Begriff wohl am häufigsten damit in Verbindung bringen. Da wir dem Umweltschutz heute große Bedeutung beimessen, was natürlich richtig ist, scheint das Konzept und warum der Begriff so häufig auftaucht, damit dann schon erklärt zu sein. Es gibt jedoch einen anderen Grund, warum sich der Begriff verstärkt in unseren Alltag schleicht. Denn der Begriff hat heute eine viel umfassendere Bedeutung, als bei seiner Entstehung.

In der ursprünglichen Fassung, die man Ende des 17. Jahrhunderts entwarf, ging es darum, dass “ein natürliches System in seinen wesentlichen Eigenschaften langfristig erhalten bleibt”. Mit anderen Worten: der Wald, um den es bei dieser Begriffsdefinierung ging, sollte nur soweit abgeholzt werden, wie er in der Lage war, sich in absehbarer Zeit auf natürliche Weise zu regenerieren. Das war ja eigentlich schon eine tolle Sache und ging auch ganz klar Richtung Umweltschutz, wenngleich dies wohl ein zweitrangiges Motiv war, da man eher wirtschaftliche Interessen hatte.

Drehen wir das Rad nach vorne, ins 21. Jahrhundert, dann stehen wir einer ganz anderen Situation gegenüber. Unsere Umwelt hat sich verändert, unsere sozialen Strukturen und unsere Lebensweise ist eine ganz andere als zu Zeiten des Hans Carl von Carlowitz, der den Begriff Nachhaltigkeit ins Leben rief. Heute müssen wir den Begriff in einzelne Bereiche teilen, so umfassend ist seine Bedeutung.

Die drei Säulen der Nachhaltigkeit

Bei der Nachhaltigkeit spricht man von drei Säulen, diese wären:

  • Die soziale Nachhaltigkeit
  • Die ökologische Nachhaltigkeit
  • Die ökonomische Nachhaltigkeit

Die Definition und alle Ansätze zur ökonomischen Nachhaltigkeit können Bücher füllen, und es besteht kein Mangel an Fachliteratur und Studien zum Thema. Es ist ein Thema, mit dem zu befassen es sich lohnt.

Doch hier wollen wir uns mit jeglichen Ansätzen zur Nachhaltigkeit nur so weit befassen, wie sie den Alltag der durchschnittlichen Person betreffen. Die Säulen der Nachhaltigkeit, die uns dort am meisten interessieren, sind die ökologische und die soziale Nachhaltigkeit.

1. Die ökologische Nachhaltigkeit

Ökologische Nachhaltigkeit bedeutet eine effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen und den Erhalt der Natur für unsere und zukünftige Generationen.

Wer sich bis jetzt noch nicht viel mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt hat, ganz gleich aus welchem Grund, der kann jetzt einen Anfang machen. Nachhaltigkeit beginnt im Kopf, denn zunächst müssen wir uns darüber klar werden, dass jede einzelne Handlung Folgen hat, und wir die Folgen dieser Handlung erkennen und beurteilen können.

Rüsten wir uns mit positivem Denken aus

 

Jeder hat es schon einmal gehört, vielleicht sogar selbst gesagt: “Aber ich alleine … das macht doch keinen Unterschied …”.

Jeder weiß auch, dass dies nicht stimmt. Daher bewaffnen wir uns am besten mit so viel positivem Denken wie möglich, krempeln die Ärmel ein wenig höher - und fangen an. Wer etwas bewirkt, darf sich belohnen. Alleine das Gefühl, dass man zur Verbesserung beiträgt, egal, wie winzig klein der Beitrag heute auch nur gewesen sein mag, ist schon eine Belohnung.

So macht Nachhaltigkeit Spaß

Nachhaltigkeit ist keine Praxis, die langweilig oder anstrengend sein muss oder die zu viel von uns fordert. Man kann eine nachhaltige Lebensweise auf vielerlei Weise beginnen.

Im Folgenden sind ein paar Denkansätze, die jeder für sich nutzen oder verwerfen kann. Diese Dinge haben eines gemeinsam. Das Konzept der Nachhaltigkeit bedeutet, dass nachhaltiges Handeln zukünftigen Generationen vergleichbare oder im Idealfall sogar bessere Lebensbedingungen schaffen soll. Das Konzept schafft einen Bezug zwischen unserer Gegenwart und der Zukunft nachkommender Generationen (und unserer eigenen Zukunft natürlich). 

1. Minimale Veränderungen mit großer Wirkung

Abfälle vermeiden

Es ist an niemandem vorbeigegangen, dass wir uns inzwischen in einer Plastikwelt befinden. Inzwischen gehen Regierungen gegen die Nutzung bestimmter Plastikprodukte vor, indem sie die Herstellung und Nutzung verbieten und sogar unter Strafe stellen. Darauf müssen wir nicht warten. Damit kann man heute noch anfangen.

Radfahren, Laufen oder öffentliche Transportmittel nutzen, statt Kraftfahrzeuge

Je öfter, desto besser. Man muss das Auto nicht gleich verkaufen, kann aber die Nutzung einschränken.

Natürliche Reinigungsmittel nutzen

Viel zu viele Hersteller bauen immer noch auf die Chemiekeule. Und schädigen mit dem freien und beworbenen Vertrieb bewusst unserer Umwelt, statt sie zu schützen. Da ist der Käufer selbst gefragt. Essig & Co reinigen auch sehr gut und vor allem nachhaltig.

Lebensmitteleinkauf und -verwertung planen

Mit eingehender Planung kann man die Verschwendung von Lebensmitteln soweit wie möglich eingrenzen und so wenig wie möglich in den Abfall werfen. Dazu gehört z.B. ein Wochenplan zum Kochen und die Resteverwertung. 

2. Minimalismus praktizieren

Minimalismus bedeutet nicht notwendigerweise, dass man ohne jegliche Annehmlichkeiten in einer spärlich möblierten Umgebung lebt. Es bedeutet eher, dass man den Begriff “Überfluss” neu definiert und erkennen lernt, welche Dinge man tatsächlich zum Leben braucht und welche Dinge nur uns selbst und möglicherweise auch die Umwelt belasten.

Wer sich schon einmal an das Entrümpeln seiner Wohnung gewagt hat weiß, wie befreiend es sein kann, das ganze unnütze Zeug, welches wir über Jahre ansammeln, loszuwerden. Um das Entrümpeln nachhaltig zu gestalten, verkaufen oder verschenken wir die Sachen und werfen sie nicht in den Müll. Und das ist schon der erste Schritt. Die wenigsten von uns werden gleich danach wieder losziehen und neue Dingen kaufen, die wir nicht brauchen.

3. Secondhand einkaufen

Secondhand Einkaufen war lange verpönt. Nur jene, die gerne auf Flohmärkten herumwühlen, konnten sich mit dem Gedanken anfreunden. Doch in den letzten 20 Jahren hat sich das Konsumdenken verändert und Secondhand oder Gebraucht ist gesellschaftlich akzeptabel. Entweder das, oder es gibt einfach immer mehr Menschen, die es nicht kümmert, ob es akzeptabel ist oder nicht.

Doch Secondhand einkaufen kann so richtig Spaß machen. Es ist viel spannender, als ein Einkauf im regulären Kaufhaus oder in einer Boutique. Dazu muss man nicht zum Flohmarkt gehen, sondern man kann in Secondhandläden stöbern oder in der Zeitung unter Ankauf/Verkauf die Sachen finden, die man braucht. Inzwischen gibt es auch viele Facebook-Gruppen, in denen man von Kleidung über Möbel bis zu Kraftfahrzeugen alles Mögliche finden kann.

Ein Tisch vom Sperrmüll oder aus dem Secondhandladen kann nach gründlichem Abschleifen und Neulackieren wie neu aussehen, und die altmodische Eichenschrankwand aus dem Nachlass der Großeltern kann man mit etwas Arbeit und Kreativität gewaltig aufpeppen. Damit schafft man gleichzeitig etwas Einzigartiges und praktiziert damit auch schon Upcycling.

4. Upcycling

Bei Upcycling geht es darum, die Wiederverwertung einer Sache so zu gestalten, dass diese eine Aufwertung erfährt, also einen gleichwertigen oder sogar höheren Nutzen hat, als vor dem Wegwerfen. Manche werden da sehr kreativ und die Möglichkeiten sind unendlich.

5. Willkommen in der Patchwork-World?

Wenn dir z.B. Nähen liegt, dann steht dir gleich eine ganz neue Welt offen: die Patchwork-Technik ist ein Beispiel dafür, was flinke Hände und ein paar Ideen aus alten Kleiderfetzen alles zaubern können, und noch dazu eines mit langer Tradition.

Doch dieses Beispiel steht im Prinzip nur dafür, dass gerade beim Thema Nachhaltigkeit die Kreativität des Einzelnen nicht nur erwünscht, sondern sogar gefordert ist. Das kleine Bisschen, das jeder Einzelne mit ein paar Ideen beitragen kann, summiert sich und führt langfristig zu einer neuen, nachhaltigen Lebensweise.

Dazu gehört auch, dass man sich auf einige Traditionen besinnt, die man vielleicht zugunsten einer etwas bequemeren Lebensweise aufgegeben hat, die sich jetzt aber vielleicht als die einzig wahre Methode entpuppen können. Was manchmal wie ein Schritt zurück erscheinen kann, ist also vielleicht ein kleiner Schritt nach vorn.

Außerdem macht es schlicht und einfach Spaß, etwas selbst zu machen, ob in der Küche oder in der Werkstatt. 

Die soziale Nachhaltigkeit

Die soziale Nachhaltigkeit hat das Ziel, für alle Menschen erstrebenswerte Lebensbedingungen zu schaffen und die Würde des Menschen und das Menschenrecht zu gewährleisten. Was sich so gewaltig anhört, betrifft eigentlich uns alle, und mit nur kleinen Veränderungen kann jeder einen Unterschied machen und zu dieser insgesamt recht gewaltigen Aufgabe beitragen. Dazu muss man nicht einmal global denken, denn es fängt bereits in unserem eigenen Wohnviertel an.

Damit fängt man an, wenn man für kleine Einkäufe öfter mal den Tante Emma Laden an der Ecke wählt, statt den Supermarkt, und damit lokale Unternehmer unterstützt.

Unter sozialer Nachhaltigkeit versteht man unter anderem Chancengleichheit, ganzheitliche Existenzsicherung, Sozialressourcen, Potenziale und Handlungschancen.  

Zur sozialen Nachhaltigkeit gehören Dinge wie faire Löhne, geregelte Arbeitszeiten, das Nutzen lokaler Dienste usw. Wer die soziale Nachhaltigkeit ernst nehmen und ein soziales Gewissen entwickeln will, der kann z.B. helfen, Ausbeutung zu minimieren oder zu eliminieren und eben auch die Lebensgrundlage des Tante-Emma-Ladens zu erhalten. Soziale Gerechtigkeit ist das Ziel dieser Übung.

Die soziale Nachhaltigkeit ist nicht ganz so fotogen und medientauglich wie die ökologische Nachhaltigkeit und das Thema ist oft unbequem. Doch je mehr wir uns damit auseinandersetzen, desto mehr lernen wir auch, damit umzugehen und die Folgen einer Handlung einzuschätzen.

Beispiele für Ansätze für soziale Nachhaltigkeit:

  • Bekämpfen von Jugendarbeitslosigkeit
  • Investieren in Bildung und Förderung
  • Verringern der Kluft zwischen sozialen Schichten

Wo liegen die besten Ansätze für eine nachhaltigere Lebensweise?

Im Artikel finden sich einige Ansätze dazu, wie man seinen Alltag nachhaltiger gestalten kann. Doch den Ideen sind wahrscheinlich keine Grenzen gesetzt. An jeder Ecke und an jedem Tag tun sich neue Dinge auf, öffnen sich neue Türen, hat man eine neue, zündende Idee.

Was ist der beste Weg, sein Leben nachhaltiger zu gestalten? Fängt man alleine an oder besser in einer Gruppe? Bezieht man gleich die ganze Familie mit ein, oder schafft sich zuerst einen Komplizen und dann den nächsten? Sollte man einen Plan erstellen und das Ganze professionell aufziehen oder lieber aus dem Bauch handeln?

Das Schöne am Nachhaltigen ist, dass es bleibt

Es gibt unzählige Wege, Nachhaltigkeit in die Tat umzusetzen, jeden Tag ein bisschen und vielleicht am nächsten Tag ein Stück weiter. Eines ist sicher: die nächste(n) Generation(en) werden es uns danken. Doch auch wir können schon mit kleinen Veränderungen große Wirkung sehen, so wie man an einigen Beispielen im Text sieht.

Es ist also keinesfalls mühsame Arbeit ohne sichtbares Resultat. Ganz im Gegenteil. Daher kann es schön sein, sich für eine gesündere und sauberere Umwelt und bessere Lebensbedingungen für alle Menschen ein wenig die Hände schmutzig zu machen. Am Ende ist eine nachhaltige Lebensweise auch nur eine weitere Gewohnheit, die wir uns aneignen können. Hört sich das wie eine lohnende Alternative an? Wir sind auf jeden Fall dabei!