Gelassenheit lernen – In 3 Schritten zur inneren Ruhe

„Probier's mal mit Gemütlichkeit“. Diese Zeilen liegen uns wohl allen in den Ohren, und das Konzept ist wohlbekannt. Nicht immer ist dies jedoch so leicht gesagt wie getan. Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir zwischenzeitlich vermutlich das Gegenteil gelernt haben und wir so eingespannt sind, dass es unheimlich schwierig scheint, diese simple Weisheit umzusetzen.

Das heißt aber nicht, dass es nicht machbar ist. Wir möchten in diesem Artikel ein paar Tipps zeigen, mit denen es möglich ist, zu mehr innerer Ruhe zu kommen - ganz gleich in welcher Lebenslage man steckt. Diese Tipps werden dein Leben nicht von jetzt auf gleich verändern, schließlich will gut Ding Weile haben und auch Gelassenheit will gelernt sein. Jede Reise beginnt jedoch mit dem ersten Schritt. Schauen wir uns drei solcher Schritte an, auf dass sie uns auf die richtige Fährte bringen werden.

Schritt Nr. 1: Die Grundeinstellung, oder: Gelassenheit beginnt im Kopf.

Gelassenheit ist eine Einstellungssache. Wenn es uns schwer fällt, sie zu erlangen, kann dies damit zu tun haben, dass wir uns mit dem Konzept Gelassenheit vielleicht nicht vollkommen auseinandergesetzt haben. Viele Menschen streben nämlich deshalb nicht nach ihr, weil sie Gelassenheit mit Gleichgültigkeit, Nachlässigkeit oder Fatalismus verwechseln. Schließlich kann man sich als erwachsener Mensch selten erlauben, faul oder gleichgültig zu sein.

Darum geht es aber bei Gelassenheit nicht. Gelassene Menschen sind nicht solche, die die Hände in den Schoß legen, sondern Menschen, die auch in schwierigen Situationen Ruhe bewahren. Das erreichen sie vor allem dadurch, dass sie sich nicht in eine unangenehme Sache hineinsteigern, sondern im Gegenteil hinaus, hin zu einem Punkt, an dem sie über den Dingen stehen.

Nicht immer läuft alles nach Plan.


Das Murphy'sche Gesetz, das besagt, alles was schief gehen könne, werde auch automatisch schiefgehen, ist hinreichend bekannt. Es kann uns als berechtigte Mahnung dienen, für den Fall, dass ein Plan nicht aufgeht, wie er sollte, entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Wozu es jedoch nicht führen sollte, ist, dass man sich das schlimmstmögliche Ergebnis schon im Vorfeld ausmalt, sodass man gedanklich schon quasi in dieser Situation ist. Um zu vermeiden, dass dieser Teufel, den man damit an die Wand malen würde, zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden könnte, ist eines entscheidend: Sich dessen bewusst zu sein, welche Dinge in der eigenen Hand liegen und welche nicht, diese Gegebenheiten zu akzeptieren und sich daran anzupassen.

Das Bewusstsein, die Akzeptanz und die Anpassung erleichtern deine Möglichkeit, die Dinge selber zu gestalten. Und gerade diese Gestaltungsmöglichkeit ist es, die Selbstbewusstsein verleiht und das Leben leichter macht. Das Ziel einer wirklich gelassenen Haltung hat einmal der US-amerikanische Pfarrer Reinhold Niebuhr in einem Gebet zusammengefasst, das als Gelassenheitsgebet in die Geschichte eingegangen ist und in der Kurzfassung folgendermaßen lautet:

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“


Dieser Gedanke ist nicht völlig neu, hat aber auch dann seine Richtigkeit, wenn du vielleicht nicht sonderlich religiös sein solltest. Auch in der antiken Philosophie tauchte dieser Gedanke nämlich in ähnlicher Form auf, und zwar in der philosophischen Schule der Stoa bzw. des Stoizismus. Für diese philosophische Schule lag das Glück eben gerade in der Fähigkeit, Unveränderliches von Veränderlichem zu unterscheiden. Die dadurch entstehende stoische Ruhe und Gelassenheit sei es dann, die ein gutes und glückliches Leben möglich machen soll.

Freiheit beginnt im Kopf.


Die daraus entstehende Haltung entsteht natürlich nicht von heute auf morgen. Sie hilft dir aber auf die Dauer, gelassener zu werden, Ruhe zu bewahren und auch wirklich frei zu sein. Freiheit beginnt nämlich im Kopf. Dazu ist es im Gegenzug auch wichtig, Verantwortung zu übernehmen, und zwar nicht nur für dein Tun, sondern auch für deine Gedanken: Es liegt nämlich in deiner Macht, dich dafür zu entscheiden, in verschiedensten Situationen gelassen zu sein, zu reflektieren, was du selber ändern kannst und im nächsten Schritt zu überlegen, wie du dies umsetzt. Selbst, wenn die Umsetzung nicht leicht ist und es nicht sofort gelingt, ist es wichtig, zu verstehen, dass du eins in der Hand hast: deine eigene innere Einstellung dazu.

Schritt Nr. 2: Das Leben entschleunigen, oder: Du bist das Zentrum.

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, in der vieles immer schneller, höher und weiter gehen muss. Da scheint es manchmal schwer, sich den Ansprüchen, die von verschiedenen Seiten an einen gestellt werden, zu entziehen. Auch hier kann man aber mit der folgenden Einstellung bewältigen: Neu ist all dies nicht. Die „gute alte Zeit“, von der wir manchmal leichtfertig reden, hat es nie so gegeben, wie wir vielleicht in Erinnerung haben. Denn ob früher oder heute - jede Zeit hat und hatte ihre Vor- und Nachteile. Dementsprechend gab es schon immer gesellschaftliche Ansprüche, von denen Menschen glauben mochten, ihnen nicht immer gerecht werden zu können. Positiv gesehen gab es so auch immer Menschen, die diese Anforderungen bewältigen konnten.

Neu ist dementsprechend auch nicht, was zu diesen Ansprüchen zu sagen ist: Auch hier liegt es ganz an dir, wie weit du diesen Ansprüchen folgst bzw. glaubst, folgen zu müssen. Zweifelsohne hat jeder erwachsene Mensch gewisse Verantwortungen: Ob du nun jeden Morgen zur Arbeit gehen, regelmäßig Steuern zahlen oder dich um eventuell vorhandene Kinder kümmern musst, all dies gehört zu den Dingen, die du mit einer innerlich ruhigen Grundeinstellung bewältigen kannst.

Es gibt aber eine ganze Reihe von „Pflichten“, die nirgends geschrieben stehen, bei Verletzung keine Strafe nach sich ziehen und denen trotzdem viele meinem, zu unterliegen. Nach tieferer Reflexion dieser Dinge kannst du jedoch erkennen, dass du völlig frei in dem bist, wie du mit ihnen umgehst:

Manche Menschen unterliegen zum Beispiel dem Erwartungsdruck, mit einem bestimmten Alter verheiratet und zwei Kinder haben zu müssen, eine bestimmte Karrierestufe erreicht oder sich gewisse Besitztümer angeeignet zu haben. Andere hegen vielleicht immer wieder solche Gedanken wie „Was sollen denn bloß die Nachbarn sagen?“ Dem liegt oft eines zu Grunde: eine Angst, etwas zu verpassen.

Vielleicht hast du diese Situation schon erlebt: da stöbert man auf sozialen Netzwerken durch die Profile alter Schulkameraden und stellt fest, dass so manche schon eine tolle Karriere erreicht haben, spannende Auslandserfahrungen gemacht haben, und auf Facebook schaust du dir deren neueste Fotos von den schicken Weltreisen, Abenteuerurlauben und anderen tollen Veranstaltungen an. Vielleicht beschleicht dich dann der Gedanke: Die anderen machen so viel aus ihrem Leben, und man selbst sei nie so weit gekommen.

Einerseits könnte man nun sagen, dass es an dir liegt, etwas dagegen zu unternehmen - ganz wie in Schritt 1 erklärt. Aber muss das wirklich sein? Hier ist der wichtigste erste Schritt, in sich zu gehen: Was sind die Ziele, die du verfolgst? Ist eine steile Karriere in deinem Interesse, ist es Stabilität, oder vielleicht eine Balance aus Arbeit und Freizeit? Musst du Erfahrungen auf langen Weltreisen machen, anstatt den Moment daheim zu genießen, deine Hobbies zu verfolgen und damit eine innere Zufriedenheit zu gewinnen?

Was die Anderen dazu sagen oder denken, ist stets zweitrangig. Solange du dir selbst gegenüber nichts zu Schulden kommen lässt und eine Entscheidung bewusst getroffen hast, weil du sie treffen wolltest, brauchst dich nicht zu rechtfertigen. Denn das, was du aus deinem Leben macht, deine Erfahrungen und Ziele, das lässt sich nicht messen. 

Wir könnten hier noch zahlreiche andere Beispiele anführen, aber das Prinzip ist immer das gleiche: Du hast es immer in der Hand, in wie weit du dich auf die gesellschaftlichen Erwartungen einlässt, und wenn unsere schnelllebige Gesellschaft noch so viel verlangen mag.

Daher gilt: Wenn du dich dabei erwischst, dass du dich mit Anderen vergleichst, oder unsicher über das bist, was du erreicht hast, nimm dir etwas Zeit für dich, sperre Andere aus deinen Gedanken aus und reflektiere das, was dir wichtig ist. Denn das einzige, was zählt, ist das, was du möchtest und was dir Freude bereitet.

Schritt Nr. 3: Stressige Situationen richtig meistern

Auch, wenn du dich von chronischem Stress durch falsche Erwartungen befreit hast, du weißt, was du willst und reflektiert hast, worum es geht, kann es natürlich trotzdem immer noch zuweilen Situationen geben, die dich schlicht und einfach vor Stress stellen. Sind es Verpflichtungen im Beruf oder Privatleben, bei denen du nicht weißt, welche du zuerst erledigen sollst? Oder Aufgaben, denen du dich nicht gewachsen fühlst?

Hier ist das oberste Gebot: Abstand gewinnen. Was für das Leben allgemein gilt, gilt nämlich in jeder Situation: auch wenn du die Situation nicht ändern kannst, kannst du dich immer noch entscheiden, inwiefern du dich auf sie einlässt, ganz wie in Schritt Nr. 1 besprochen.

In manchen Situationen kann vielleicht helfen, wenn der Abstand auch räumlicher Natur ist: es ist besser, bei einem Streit, der zu nichts führt, das Zimmer zu verlassen, als ihn weiterzuführen. Das jedoch nicht, um davon zu laufen, sondern um durchzuatmen, die Situation mit einem kühlen Kopf zu reflektieren und neue Strategien zu überlegen.

Am wichtigsten ist es allerdings, dass der Abstand zu stressigen Situationen innerer Natur ist, denn den kannst du auch gewinnen, wenn ein räumlicher nicht möglich ist.

Den kannst du einfacher schaffen, als du glaubst. Oft genügt es schlicht und einfach, einmal tief durchzuatmen. Schließe dabei die Augen und konzentriere dich für einige Momente nur auf dich und deine Atmung.

In den wenigen Sekunden, die das dauert, kann es dir nämlich oft schon klar geworden sein, dass die erstbeste, impulsive Lösung, die du vielleicht gewählt hättest, in dieser Situation nicht zielführend ist, und möglicherweise auch der Anlass für den Stress völlig nichtig. Versuche danach, dich während des Durchatmens geistig von dieser Situation zu entfernen und dich in den Standpunkt eines dritten, außenstehenden Menschen zu versetzen. Was würde der dazu sagen? 

Um diese Prozesse noch leichter zu machen, gibt es viele Übungen, die dabei helfen können, es zu lernen. Zu nennen sind da vor allem Yoga, Achtsamkeitsübungen und Meditation. Bei allen geht es nämlich immer darum, Abstand von den eigenen Gedanken zu gewinnen, um sie so besser einzuordnen und mit ihnen umzugehen. Denn Gelassenheit ist genau das: die Fähigkeit, die eigenen Gedanken zu steuern, weil du gelernt hast, dass die Gestaltungsmöglichkeiten dafür ganz in deiner Hand liegen.