Besser leben ohne Plastik: 4 einfache Schritte für unsere Umwelt

Plastik ist aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken: Für die verschiedensten Alltagsgegenstände findet es heutzutage Gebrauch. Daher macht es auch leider einen großen Teil unseres Haushaltsmülls aus, wo die Vorteile von Plastik auch gleichzeitig zum Nachteil für die Umwelt werden: da Plastik, was in seiner Form in der Natur nicht vorkommt, nämlich so haltbar und korrosionsbeständig ist, ist es biologisch nicht abbaubar.

Laut Angaben des Umweltbundesamtes kann eine weggeworfene Plastikflasche über 400 Jahre lang im Boden liegen, bis sie sich zersetzt hat. Wenn man das mit einer Tageszeitung vergleicht, die nach 6 Wochen abgebaut ist, einem T-Shirt aus Baumwolle, das dafür zwei bis fünf Monate braucht, wird schnell klar, dass Plastikabfälle für die Umwelt einen starken Problemfaktor darstellt.

Vielfach kann Plastikmüll zwar recycelt werden, allerdings sind nicht alle Kunststoffe gleichermaßen zur Wiederverwertung geeignet. Manchmal enden Plastikflaschen zwar als Einkaufstasche oder sogar Fleece-Pulli, aber in vielen Fällen landen sie doch in der Müllverbrennung.

Allerdings ist es gar nicht mal so schwer, Plastik in verschiedensten Lebensbereichen zu vermeiden und so etwas für die Umwelt zu tun. Wir beleuchten in diesem Artikel, wie wir unsere tägliche Nutzung von Plastik reduzieren und damit auch die Entstehung von Plastikmüll verringern können.

Schritt 1: Auf die Grundhaltung kommt es an

Reflektion sollte stets an erster Stelle stehen. Unsere Gewohn- und Gepflogenheiten kritisch zu betrachten und zu hinterfragen ist in allen Bereichen des Lebens sinnvoll und kann uns immer wieder dabei helfen, unseren Alltag in gewissem Maße zu verbessern.

Vielleicht hast du schon einmal etwas von der sogenannten „Zero Waste“-Bewegung gehört. Es handelt sich dabei um Menschen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Umwelt dadurch zu schützen, dass sie möglichst keinen Müll produzieren. Das klingt erstmal nicht leicht, du brauchst deinen Lebensstil aber natürlich nicht von heute auf morgen so weit zu verändern. Es kann sich nämlich schon lohnen, sich von ihnen ein paar Gewohnheiten abzugucken.

Und dabei ist vor allem die Grundhaltung gefragt. Vertreter der Zero-Waste-Philosophie überlegen sich immer zweimal, ob sie wirklich etwas neu kaufen müssen oder das Alte nicht doch noch funktioniert, ob sie etwas wirklich wegwerfen müssen oder nicht vielleicht doch noch wiederverwenden können. Kleidung zum Beispiel werfen sie nicht weg, solange sie durch Flicken nicht doch noch irgendwie gerettet werden kann. Wenn sie nicht mehr zum Anziehen taugt, findet sie immer noch irgendeiner Verwendung, und sei es als Putzlappen.

Zero-Waste-Anhängern vermeiden außerdem, Lebensmittel entsorgen zu müssen, weil sie abgelaufen bzw. schlecht geworden sind – dies allein dadurch, dass sie ihre Mahlzeiten planen und spezifisch dafür einkaufen, um nichts in den Schränken stehen zu haben, was nicht gegessen wird.

Alte Möbel, die von anderen als „Plunder“ zum Sperrmüll gegeben werden, frischen sie auf und richten damit ihre Wohnungen ein.

Gerade wenn man sich überlegt, wie viele Bestandteile von Computern und technischen Geräten aus Plastik bestehen, ergeben solche Überlegungen Sinn. Niemand sagt, dass wir darauf verzichten müssen. Aber oft lohnt sich die Frage, ob es immer das Neueste vom Neuesten sein muss, obwohl das Alte noch läuft. Solange wir damit telefonieren, ins Internet gehen oder sonst alles tun können, wozu wir PC und Handy brauchen, besteht kein triftiger Grund, ihnen den Laufpass zu geben. Nutzen wir das, was wir haben, und verleihen unseren Geräten eine möglichst lange Lebenszeit.

Auch in anderen Bereichen ist es grundsätzlich sinnvoll, Verschwendung zu vermeiden. Und das tun wir, indem wir möglichst nur anschaffen, was wir auch wirklich brauchen. Das schont nicht nur unseren Geldbeutel, sondern ist auch ein erster großer Schritt zu weniger Müll.

Schritt 2: Plastikfrei einkaufen

Wie bereits erwähnt ist es immer sinnvoll, sich jeden Einkauf zweimal zu überlegen. Genau da entsteht nämlich der meiste Müll, da nämlich viele Lebensmittel irgendwie verpackt werden (müssen). Auch wenn es wünschenswert ist, dass der Gesetzgeber da etwas mehr täte: auch wir haben durchaus deine Einflussmöglichkeiten darauf, welche Arten von Verpackungen verwendet werden, nämlich dadurch, was wir einkaufen.

Fangen wir mit etwas ganz Grundsätzlichem an, nämlich den Einkaufstüten. Inzwischen schreitet die Abschaffung von Plastiktüten immer weiter voran und viele Geschäfte bieten stattdessen Taschen und Tüten aus wiederverwendbaren Materialien an. Jutebeutel oder Taschen aus Baumwolle bei sich zu tragen, sind auch immer eine gute Idee. Oder einen Rucksack für seine Einkäufe zu nutzen. Denn ganz abgesehen davon, dass Plastiktüten leichter einreißen, bei schwerer Beladung in die Handflächen einschneiden und auch ästhetisch nicht sehr ansprechend sind, tun wir damit der Umwelt einen großen Gefallen, ohne dass wir uns dafür irgendwie einschränken müssen.

Wer kochen kann, ist klar im Vorteil. Das liegt nicht nur daran, dass wir uns automatisch gesünder ernähren, weil wir selbst entscheiden, was in unsere Mahlzeiten reinkommt, sondern auch, dass wir auf viele Fertiggerichte verzichten können. Die enthalten nämlich nicht nur oft stark verarbeitete Zutaten, sondern sind auch sehr häufig in Plastikverpackungen vorzufinden. Wenn wir die Zutaten für deine Mahlzeiten frisch und einzeln kaufen, werden wir wiederum generell weniger Verpackung mitkaufen. Es gab also noch nie so viele gute Gründe, Zeit in seine Ernährung zu investieren.

Dann haben wir in jedem Supermarkt, auch einem noch so herkömmlichen, die Wahl, aus welcher Verpackung wir bestimmte Produkte wählen. Bei Getränken ist die Wahl eindeutig: wo immer wir statt PET-Flaschen Glasflaschen nehmen kannst, und zwar Mehrwegflaschen, ist das eine gute Wahl. Die Kisten mögen etwas schwerer sein, lassen sich aber immer noch angenehmer transportieren, als die PET-Flaschenbündel mit ihren einschneidenden Trageriemen, ganz abgesehen davon, dass PET-Flaschen auch oft Schadstoffe in die Getränke abgeben. (Du möchtest bei Einkäufen möglichst wenig tragen? Probier doch mal dein Leitungswasser oder investiere in einen Wasserfilter, mit dem du es für’s alltägliche Trinken und Kochen filtern kannst!)

Wo wir die Wahl zwischen Pappe bzw. Papier und Plastik haben, ist ersteres noch das kleinere Übel. Gerade beim Einkauf von Gemüse ist das sehr von Bedeutung. Einzelne Geschäfte verwenden hierbei auch Beutel aus biologisch abbaubarem Kunststoff, der sich sonst genauso wie eine herkömmliche Plastiktüte anfühlt. In Frankreich sind diese auch mittlerweile für alle Supermärkte verpflichtend. Solange das bei uns noch nicht der Fall ist, ist Papier immer noch eine gute Alternative.

Noch besser wäre es natürlich, wenn wir überhaupt keine Verpackung aus dem Geschäft mitnehmen müssten und wir Artikel in irgendeiner Form lose kaufen könnten. Das gibt es, nennt sich verpackungsfreies Einkaufen und ist gerade in Bioläden schon länger Gang und Gäbe. Sowohl Lebensmittel wie Mehl, Reis, Hülsenfrüchte als auch Flüssiges wie Öl können in eigenen, selbst mitgebrachten Behältern mitgenommen werden. Zunehmend verbreitet sich dieses Prinzip auch in Supermärkten. Zumindest einige Frischetheken bieten mittlerweile die Möglichkeit an, Wurst, Käse, Antipasti etc. in selbst mitgebrachte Behältnisse abfüllen zu lassen. Generell lässt sich aber sagen, dass kleine Geschäfte eher dazu bereit sind, auf solch einen Handel einzugehen. Gerade beim Gemüse vom Wochenmarkt wird es wohl kaum jemanden stören, dass es seinen Weg in unsere Wohnungen in einem Korb antritt, und eine kleine Kaffeerösterei wird auch eher bereit sein, den Kaffee in unsere höchstpersönlichen Lieblingsdosen abzufüllen.

Schritt 3: Das plastikfreie Badezimmer

Bei Lebensmitteln ist es vergleichsweise einfach, auf Plastikverpackungen zu verzichten. Hygiene- und Pflegeprodukte sind da schon die höhere Schule, aber auch da ist es nicht völlig unmöglich, auf Plastik zu verzichten. Prinzipiell wirst du, was die entsprechenden Produkte angeht, in Bioläden eher fündig werden, aber gut sortierte Drogerien und Supermärkte mit gut ausgestatteter Bioabteilung sind eventuell auch geeignete Ansprechpartner.

Vergleichsweise einfach lässt sich der herkömmliche Rasierer aus Plastik ersetzen. Als Alternative bietet sich der Sicherheitsrasierer bzw. Rasierhobel an. Deren Klingen bestehen komplett aus Metall und lassen sich ohne Probleme wiederverwerten, wenn sie stumpf geworden sind. Wer noch weniger Abfall haben will, kann sich natürlich auch an das klassische Rasiermesser wagen, allerdings ist das vergleichsweise kostspielig und erfordert etwas Übung im Umgang. Den Rasierschaum bzw. das Rasiergel aus der Sprühdose mit Plastikkopf kannst du wiederum ohne Probleme durch einen Rasierpinsel und Rasierseife aus dem Holztiegel ersetzen, ohne dass du Gefahr läufst, dich ungeschickterweise damit zu schneiden.

Dass Einwegrasierer ein großer Verursacher von Plastikmüll sind, dürfte hier klar sein. Wenn du aber auf deinen gewohnten Dreifachklingenrasierer schon nicht verzichten kannst, verlängere wenigstens seine Lebensdauer. Das geht einfacher, als du glaubst. Du brauchst dafür nur jedes Mal vor dem Rasieren den Rasierkopf auf der Unterseite deines Unterarms entlangzufahren, um ihn so quasi zu wetzen. Andere nutzen dafür ihre Jeans. Tatsächlich kann eine Klinge so locker ein halbes bis ganzes Jahr halten.

Andere typische Wegwerfprodukte für den Badgebrauch kannst du ebenfalls leicht ersetzen. Die Rede ist von Zahnbürsten und Wattestäbchen. Hier gibt es Exemplare aus Bambus, einem Material, dass bedenkenlos als nachwachsend bezeichnet werden kann (wenn man bedenkt, dass manche Bambussorten pro Tag um einen Meter wachsen), und als biologisch abbaubar erst recht.

Duschgel durch feste Seife zu ersetzen bedeutet auch gleichzeitig, auf die Plastikflasche zu verzichten, in der das flüssige Duschgel aufbewahrt wird. Das wusstest du möglicherweise schon. Vielleicht wusstest du aber noch nicht, dass es durchaus auch Shampoo in fester Form gibt, das Seifenstücken ähnelt.

In Bioläden sind allerdings oft auch Produkte wie Waschmittel und flüssige Hygieneprodukte zum freien Abfüllen in selbst mitgebrachten Behältern erhältlich. Das kann nicht bei jedem Bioladen garantiert werden, aber es lohnt sich immer, zu wissen, dass es so etwas überhaupt gibt.

Schritt 4: Plastikfrei unterwegs

Wir haben nun die meisten Aspekte des Haushalts abgedeckt, dort, wo der meiste Plastikmüll entsteht. Der lauert jedoch auch außer Haus, allerdings lässt er sich dort auch sehr leicht vermeiden.

Wir hatten es bereits erwähnt, dass Selberkochen auch für die Umwelt lohnenswert ist. Wir wollen damit nichts gegen die Gastronomie als solche gesagt haben, aber mitunter lohnt es sich schon, genauer hinzuschauen. Gerade die Schnellgastronomie hat neben ihrer Hektik und Ungastlichkeit den Nachteil, dass sie der Umwelt auch nicht sehr guttun. Ob es der Coffee-to-go-Becher ist, das Wegwerfbesteck oder der „Stroh“-Halm aus Plastik: immer landen diese sofort nach der Benutzung auf dem Müll.

Wenn du stattdessen Örtlichkeiten aufsuchst, in denen der Kaffee in einer richtigen Tasse, die Getränke in einem richtigen Glas und das Essen auf richtigen Tellern mit Besteck aus Edelstahl. serviert wird, hast du schonmal unheimlich viel Plastikmüll vermieden. Und wenn du einen Cocktail oder ähnliche Getränke bestellst, die oft mit Strohhalmen serviert werden, bitte darum, auf diesen zu verzichten.

Wenn du übrigens zuhause auf Strohhalme nicht verzichten möchtest, greif lieber zu Exemplaren aus Bambus, Edelstahl oder eben aus Stroh. Daraus bestanden sie ursprünglich, und daher kommt auch eigentlich der Name. Warum also nicht zum Original greifen, zumal wenn die Fälschung aus Plastik noch unheimlich viele ungesunde Weichmacher enthält?

Eine andere Strategie, um die Schnellgastronomie und den damit verbundenen Müll zu meiden, ist es natürlich, Essen und Trinken von zu Hause mitzunehmen. Der Kaffee aus dem To-go-Becher ist ohnehin meist eher mittelmäßig. Warum also nicht den heimischen Kaffee in der Thermoskanne aus Edelstahl mitführen? Die kleinen Wasserfläschchen aus PET belasten wiederum die Umwelt und sind auch auf die Dauer gerechnet sehr teuer. Warum also nicht eine Trinkflasche mitnehmen, die du zuhause befüllt hast? Am besten natürlich eine Edelstahl-Flasche, denn die ist in puncto Stabilität und fehlender Schadstoffbelastung unschlagbar. Etwas zu Essen von zu Hause mitzunehmen ist immer eine gute Idee. Auch da lohnt es sich aber, aufs Behältnis zu achten. Statt Brot-Tüten und Plastik-Lunchboxen solltest du hier bevorzugt zu Boxen aus Edelstahl oder Bambus greifen.

Unser Schlusswort zum plastikfreien Leben

Wir haben diesen Artikel zwar unter das Stichwort von vier Schritten gestellt, aber niemand sagt, dass du nicht jeden einzelnen dieser Vorschläge auch unabhängig voneinander umsetzen kannst. Nimm diesen Text deshalb als einen Fundus von Anregungen, was auch du jeden Tag dafür tun kannst, um das Plastikmüllaufkommen zu verringern. Wie du nämlich gesehen hast, muss das gar nicht so kompliziert sein. Und meist sparst du bei der Umsetzung auch bares Geld.

Wir erheben in dieser Liste auch keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit. Weitere Anregungen nehmen wir sehr gerne entgegen!